«Was bleibt, wenn nichts mehr kommt von dem, was war?»
Rückblickend beschreibt dieses Zitat sehr treffend den stetigen Wandel, dem wir in der Solarbranche ausgesetzt sind. Persönlich hätte ich nicht erwartet, dass sich die Rahmenbedingungen innerhalb so kurzer Zeit erneut derart stark verändern würden. Gleichzeitig musste allen in der Branche bewusst sein, dass sich das aussergewöhnlich starke Wachstum der vergangenen vier Jahre nicht unbegrenzt fortsetzen kann.
2025 war für die Photovoltaikbranche ein äusserst herausforderndes Jahr. Erstmals seit Langem war der Schweizer Markt wieder mit einem deutlich rückläufigen Umfeld von rund 15 bis 20 Prozent konfrontiert. Entsprechend erwarten wir für den Schweizer PV-Markt einen Zubau von rund 1.5 GWp. Dieser Rückgang ist vor allem auf erneut sehr tiefe Strompreise, stark gesunkene Einspeisevergütungen, mediale Verunsicherung sowie die neu entfachte Diskussion um die Kernenergie in der Schweiz zurückzuführen, lanciert durch Bundesrat Albert Rösti.
Paradigmenwechsel im Energiesystem
Der Ausbau der Photovoltaik befindet sich aktuell in einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Das angepasste Stromgesetz schafft dafür wichtige Grundlagen. Leider wurden diese Inhalte medial teilweise stark zugespitzt, was in der Bevölkerung zu erheblicher Unsicherheit geführt hat. Die notwendige Dezentralisierung der Energieversorgung erfordert andere Rahmenbedingungen als das bisher stark zentralisierte Energiesystem. Auch die Photovoltaik muss sich in dieses Gesamtsystem integrieren.
Entscheidend ist, dass wir den Umbau des Energiesystems volkswirtschaftlich optimal gestalten. Das bedeutet, verstärkt in Intelligenz statt primär in Kupfer zu investieren. Photovoltaik kann und muss sich in dieses Gesamtsystem eingliedern – und sie ist dazu sehr gut in der Lage, da sie heute kosteneffizient ist. Dieser Weg ist wirtschaftlich sinnvoller als ein schlichtes «Weiter wie bisher».
Speicher als Schlüssel für neue Business-Cases
Eine der grössten Herausforderungen im vergangenen Jahr war – und bleibt vorerst – die optimale Nutzung der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung neuer Business-Cases. Dabei spielen Batteriespeicher eine zentrale Rolle. Mit dem neuen Stromgesetz, das in zwei Etappen per 1. Januar 2025 und 1. Januar 2026 eingeführt wurde, ergeben sich neue Möglichkeiten für die Photovoltaik, insbesondere in Kombination mit Speichersystemen. Heute amortisiert sich eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher bei Eigenverbrauch oft schneller als eine Anlage ohne Speicher.
Photovoltaikkomponenten sind so günstig wie noch nie. In Kombination mit Eigenverbrauch, der zunehmenden Elektrifizierung von Heizung und Mobilität sowie neuen netzdienlichen Anwendungen ergeben sich sehr attraktive Lösungen. Grössere Anlagen mit geringem Eigenverbrauch lassen sich aktuell jedoch nur eingeschränkt wirtschaftlich umsetzen. Hier besteht weiterhin regulatorischer Nachholbedarf, wenn wir die von der Stimmbevölkerung beschlossenen Ausbauziele für erneuerbare Energien termingerecht erreichen wollen.
Politische Rahmenbedingungen und Verantwortung der Branche
Umso bedauerlicher ist es aus meiner Sicht, dass der zuständige Bundesrat den klaren Willen der Bevölkerung nicht konsequent umsetzt und stattdessen eine andere energiepolitische Agenda verfolgt. Als Branche müssen wir hier geschlossen auftreten und uns weiterhin klar für die Photovoltaik und ihre Vorteile einsetzen. Denn eines bleibt unbestritten: Lokal produzierte Solarenergie ist der günstigste Strom, den wir herstellen können.
Der Photovoltaikzubau war 2025 zwar rückläufig, gleichzeitig konnten deutlich mehr Batteriespeichersysteme verkauft werden. Durch den massiven Preiszerfall sind Speicher wirtschaftlich geworden, und es eröffnen sich vielfältige neue Business-Cases – ein Potenzial, das aus meiner Sicht in der Branche noch nicht ausreichend erkannt wird. Bei Gewerbespeichern ab 50 kWh konnten wir zehnmal mehr Systeme und elfmal mehr installierte Kapazität verkaufen als im Vorjahr.
Nichtsdestotrotz befindet sich die Solarbranche nach dem Boom der vergangenen Jahre in einer Konsolidierungsphase. Dies gilt nicht nur für die Schweiz, sondern für ganz Europa. Diese Konsolidierung wird früher oder später auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu einer Marktbereinigung führen.
Als Solarmarkt waren wir auf diese Veränderungen gut vorbereitet. Wir haben unsere Ressourcen vorausschauend geplant und unser Portfolio sowie unsere Dienstleistungen konsequent an die neuen Gegebenheiten angepasst. Deshalb blicke ich gemeinsam mit meinem Team trotz aller Herausforderungen auf ein für uns sehr erfolgreiches Jahr 2025 zurück.
Markterwartung 2026 – Leichter Rückgang bei PV
Für das Jahr 2026 erwarten wir ein ähnlich anspruchsvolles Umfeld. Ohne substanzielle Anpassungen der regulatorischen Rahmenbedingungen und angesichts der aktuellen energiepolitischen Agenda des Bundesrates gehen wir davon aus, dass der Photovoltaikzubau weiter leicht rückläufig sein wird. Wir rechnen mit einem Marktrückgang von rund 5 bis 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was einem Zubau von etwa 1.4 GWp entspricht.
Starkes Wachstum bei Speichersystemen
Demgegenüber erwarten wir weiterhin ein starkes Wachstum im Bereich der Speichersysteme – über alle Grössensegmente hinweg. Dies betrifft Utility-Scale-Containerspeicher mit Leistungen über 10 MW ebenso wie Gewerbe- und Industriespeicher zwischen 50 und 2’000 kWh sowie Einfamilienhausspeicher im Bereich von 5 bis 30 kWh. Neben Neuanlagen liegt grosses Potenzial in der Nachrüstung bestehender Photovoltaikanlagen. Für Installateure wird es zunehmend wichtig, ihre Bestandskundinnen und -kunden aktiv über die heute wirtschaftliche Ergänzung mit Speichersystemen zu informieren. Grössere Speicher werden zudem verstärkt netzdienlich eingesetzt und sind ein zentrales Element für die Dezentralisierung der Energieversorgung in der Schweiz.
Wettbewerbsdruck und Marktbereinigung
Der Markt wird auch 2026 stark kompetitiv bleiben. Viele Hersteller werden versuchen, ihre Produkte verstärkt auch in kleineren Märkten zu platzieren, um Marktanteile zu sichern. Entsprechend erwarten wir weiterhin hohen Preisdruck sowie eine fortschreitende Konsolidierung des Marktumfelds.
Komplexität als Herausforderung
Mit Blick auf die Anpassungen im Stromgesetz, die per 1. Januar 2026 in Kraft getreten sind, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, inwieweit sich daraus wirtschaftlich tragfähige Business-Cases ergeben. Einige Anwendungen weisen bereits heute hohes Potenzial auf, andere werden sich langsamer entwickeln. Zusätzlich bleibt offen, wie sich der voraussichtliche Wegfall des Eigenmietwerts ab 2028 auswirken wird. Kurzfristig könnte dieser Entscheid der Solarbranche zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Klar ist: Photovoltaikanlagen und ihre Einbindung in das Energiesystem sind deutlich komplexer geworden. Diese Zusammenhänge Endkundinnen und Endkunden verständlich zu erklären, erfordert tiefes technisches Verständnis und wird zunehmend anspruchsvoll. Das ist schade für eine grundsätzlich einfache und für eine unabhängige Schweiz zentrale Technologie. Ich wünsche mir von Medien und Politik deutlich mehr Druck in Richtung eines faktenbasierten, enkeltauglichen Energiesystems.
Speichermarkt – Dynamik und Auswahlkompetenz
Im Bereich der Speichersysteme ist die Dynamik aktuell besonders hoch. Zahlreiche neue Hersteller drängen in den Markt, was die Auswahl langfristig geeigneter Partner anspruchsvoll macht. Solarmarkt hat diese Entwicklung frühzeitig antizipiert und die relevanten Technologiepartner gezielt in das Portfolio aufgenommen.
Lithium-basierte Batteriesysteme werden den Markt weiterhin dominieren und technologisch weiterentwickelt. Alternative Speichertechnologien befinden sich zwar in intensiver Forschung, sind jedoch kurzfristig noch nicht in grösseren Stückzahlen marktfähig.
Systemintegration – All-in-One als neuer Standard
Wir beobachten einen klaren Trend hin zu All-in-One-Systemen, bei denen Wechselrichter, Batteriemanagement und Speicher in einer Lösung kombiniert werden. Viele Hersteller planen, im Verlauf des Jahres entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen. Gerade in der Schweiz ist der geringere Installationsaufwand ein entscheidender Vorteil, der zu tieferen Systemkosten führt. Dieser Trend wird sich voraussichtlich auch bei grösseren Gewerbe- und Industrieanlagen durchsetzen.
Energiemanagement wird intelligenter
Auch im Bereich der Energiemanagementsysteme steigen die Anforderungen deutlich. Eine reine Eigenverbrauchsoptimierung reicht künftig nicht mehr aus. Systeme müssen unter anderem mit dynamischen Tarifen, markt- und netzdienlichen Anwendungen wie der Teilnahme am Regelenergiemarkt oder Arbitrage umgehen können. Entsprechend erwarten wir neue Funktionalitäten sowie zusätzliche Anbieter aus liberalisierten europäischen Märkten.
Modultechnologie – Back-Contact setzt sich durch
Im Modulbereich zeichnet sich insbesondere bei kleinen bis mittelgrossen Photovoltaikanlagen ein klarer Trend hin zur Back-Contact-Technologie ab. Der Anteil von TOPCon-Modulen nimmt ab und wird aus wirtschaftlichen Gründen künftig primär bei sehr grossen Anlagen eingesetzt. Back-Contact-Zellen überzeugen durch hohe Effizienz, gutes Verhalten bei Verschattung sowie sehr gute Schwachlichtperformance. Der technologische Fortschritt in der Zelltechnologie wird sich weiter fortsetzen.